„Das alte Zeug – Die Zeitreise“

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„Das alte Zeug – Die Zeitreise“

Richards erste Rennstreckenerfahrungen liegen schon viele Jahre zurück. Ursprünglich hatte er sich vorgenommen, nie wieder auf einer Rennstrecke zu fahren. Nun gut, das Versprechen hat er inzwischen gebrochen. Als er sich dann nach 35 Jahren das erste Mal wieder auf den Weg machte, konnte er nicht fassen, wie das heutzutage abläuft. Er war sprachlos. Ich kenne Richard und Ihr könnt mir glauben, dass das eigentlich nicht oft vorkommt.

Doch an diesem besagten Tag brachte er einige Stunden kein Wort mehr heraus. Die „Kinnlade“ viel ihm herunter und er war in der Tat sprachlos. Das hatte er nicht erwartet. Früher wäre er mit einem Hinterrad auf dem Rücken mit seiner Ducati nach Italien zur Rennstrecke gefahren. Das erlebte er allerdings nur zwei Mal. In beiden Fällen wurde daraus ein Totaldesaster mit anschließendem Krankenhausaufenthalt. Was sich aber nach mehr als drei Jahrzehnten alles geändert hat, übertraf seine Vorstellungskraft. Ich erinnere mich gut daran, wie er mich stets belächelte, wenn ich meine Sachen für die Rennstrecke packte: „…. und Reifenwärmer, wozu denn so etwas!“.

An jenem ersten Tag kehrte seine Sprache erst abends zurück, nachdem wir alles aufgebaut hatten und beim Grillen saßen. Er war augenscheinlich beeindruckt von dem ganzen Treiben bei einem solchen Event. Richard ist „durch und durch Ducati“. Nichts anderes zählt und wer etwas anderes behauptet, hat keine Ahnung. Als ich dann eines Tages mit meiner BMW S1000RR um die Ecke kam, könnt ihr euch vielleicht vorstellen, was das für ein Theater gab. „Das Bayrische Vierkantrohr; das geht ja wohl gar nicht!“ So etwas oder Ähnliches musste ich mir ständig anhören. Irgendwann entgegnete ich, dass er nicht über Dinge urteilen solle, die er nicht kenne. Schließlich versprach er mir, mit meiner BMW zu fahren.

Bis dahin dauerte es bestimmt noch ein halbes Jahr. Immer ist ihm irgendetwas „dazwischen“ gekommen. Zunächst musste er die Strecke erst richtig kennen lernen; später musste er etwas mit seiner Maschine ausprobieren. Meine BMW war aber trotzdem die ganze Zeit über „kacke“. Allerdings bin ich eisern geblieben und habe ihn in regelmäßigen Abständen an sein Versprechen erinnert. Als dann schließlich doch noch der Tag kam, gab es kein Zurück mehr für ihn. Ich fuhr nach einem Turn ins Fahrerlager zu unserem Zelt und stellte mein Motorrad direkt vor seiner geliebten Ducati ab. Richard war gerade dabei, seinen Helm aufzusetzen, um sich mit seiner „Karre“ aus dem Staub machen. Nach meinem Erscheinen er keine andere Wahl mehr. Er musste auf meine BMW steigen und losfahren.

Was dann geschah, entsprach exakt meinen früheren Prophezeiungen. Richard wurde Runde für Runde immer schneller; er hebelte quasi seine Ducati komplett aus. Nachher sagte er mir, dass er sich ursprünglich vorgenommen hatte, ein paar entspannte Runden zu drehen, damit ich endlich Ruhe gäbe. Doch dann sei irgendwas mit ihm durchgegangen. Alles ging plötzlich so einfach und flüssig. Das hätte er nicht erwartet. Am Ende fuhr er dann den ganzen Tag mit meiner Maxi weiter und die Rundenzeiten versetzten ihm dann noch zusätzlich einen „Schlag ins Gesicht“.

Seit diesem Erlebnis habe ich ihn von der heutigen Technik überzeugen können. Zugegeben, zwischen seiner Ducati und meiner BMW liegen ganze fünfzehn Jahre. Wenn wir heute darüber sprechen, scheint er es immer noch ganz zu glauben, was sich seinerzeit ereignete. Er betont immer wieder, dass er sich fest vorgenommen hätte, nur mal eben ein paar langsame Runden zu fahren, auch „um des lieben Friedens willen“. Dann aber sei ein Schalter in ihm umgelegt worden und plötzlich sei alles wie von selbst gelaufen.

Er hätte seinen Rhythmus gefunden und sich nur noch auf das Motorrad und die Strecke fokussiert. Alles andere war plötzlich reine Nebensache. Er könne sich lediglich an sein „breites Grinsen“ unter dem Helm erinnern, welches er nicht abzustellen vermochte. Alles funktionierte wie von selbst; so etwas hätte er niemals erwartet. Richard ist inzwischen voll und ganz mit dem „Virus Rennstrecke“ infiziert. Er im neuen Zeitalter angekommen. Nun dürft Ihr raten, womit er künftig fahren will.

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